Sperrfristen und Möglichkeiten der Herbstdüngung
Neue Düngeverordnung - praktische Tipps

Düngung

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Die neue bundesweit geltende Düngeverordnung ist am 2. Juni 2017 in Kraft getreten. Die neuen Regelungen haben direkten Einfluss auf die Düngepraxis in der Landwirtschaft.

Nach der Ernte 2017 sind bereits die neuen Regelungen zur Ausbringung von Düngemitteln, die mehr als 1,5 % Stickstoff in der Trockensubstanz enthalten, zu beachten. Durch die Vorgaben der neuen DüV soll die effiziente Ausnutzung von Stickstoff und Phosphat verbessert werden. Ziel einer guten fachlichen Praxis muss es sein, Pflanzen bedarfsgerecht zu düngen, Düngereinträge in Gräben und Gewässer zu verhindern und Stickstoffverluste in tiefere Bodenschichten so gering wie möglich zu halten.
Die aktuellen Informationen zur neuen Düngeverordnung erhalten Sie unter:

Verschiebung der Sperrfrist

Verschiebung der Sperrfrist auf Grünland, Dauergrünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau, bei einer Aussaat bis spätestens 15. Mai im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen: Die Sperrfrist für die Ausbringung von Düngemitteln mit wesentlichen Gehalten an verfügbarem Stickstoff, ausgenommen Festmist, wird festgelegt für den Zeitraum vom 15. November 2017 bis 14. Februar 2018.
Hinweis zum mehrjährigem Feldfutterbau:
Flächen mit mehr als 50 % Leguminosenanteil sind von der Stickstoffdüngung ausgeschlossen (Gülle, Jauiche, flüssiger-fester Gärrest und Mineraldünger).
Ackerflächen
Auf Ackerflächen gilt die Sperrfrist (Gülle, Jauche, Gärreste, NP-Mineraldünger, Klärschlamm) von der Ernte der Hauptfrucht bis zum 31. Januar.
Ausnahmen
Bis zum 30. September 2017 gibt es jedoch einige Ausnahmen davon: Zu Zwischenfrüchten, Feldfutter, Winterraps oder Wintergerste, letztere nur nach Getreidevorfrucht, kann bis zum 30. September 60 kg/ha Gesamt- oder 30 kg Ammoniumstickstoff ausgebracht werden. Dazu müssen die Zwischenfrüchte oder der Raps bis 15. September, Wintergerste muss bis 1. Oktober gesät sein.
Grünland und mehrjähriger Feldfutterbau
Auf Grünland und mehrjährigem Feldfutterbau (mind. 2 Jahre schon im MFA) gilt die Sperrfrist vom 1. November bis 31. Januar. Eine N-Gabe nach dem letzten Schnitt in Höhe von max.60kg Gesamtstickstoff oder 30kg/ha Ammoniumstickstoff ist möglich, muss dann aber für das folgende Jahr angerechnet werden.
Festmist von Huf- und Klauentieren
Festmist von Huf- und Klauentieren hat eine Sperrfrist vom 15. Dezember bis 15. Januar. Ein Düngeverbot zu bestimmten Kulturen wie auch eine Einarbeitungspflicht besteht nicht.
Weitere Informationen zu den Sperrfristen
Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat insbesondere zu den Sperrfristen Informationen zusammengestellt:

Erläuterungen zur Düngeverordnung - LfL Externer Link

Düngeplanung

Für jede Kultur (Acker und Grünland) muss ab 2018 für N und P vor der ersten N/P-Düngung eine schriftliche Düngeplanung erstellt werden. Dabei können die Kulturen zu Schlägen zusammengefasst werden.
Voraussetzungen für die Zusammenlegung bei Stickstoff sind:
Gleiche Kultur mit gleichen Ertragserwartungen und Verwendungszweck, gleiche Vorfruchtwirkung, Bodenart, gleiche Herbstdüngung, org. Düngung (Vorjahr und Anwendungsjahr).
Voraussetzungen für die Zusammenlegung bei Phosphat sind:
Gleiche Kultur mit gleichen Ertragserwartungen, gleiche Versorgungsstufe, A + B bzw. D + E.
Auf Ackerflächen müssen N-min Ergebnisse für die Planung vorliegen. Diese werden für jeden Regierungsbezirk gezogen und dem Landwirt zur Verfügung gestellt. Nachdem diese Ergebnisse von den Werten auf dem eigenen Betrieb stark abweichen können, werden unbedingt auch eigene Untersuchungen für die angebauten Kulturen empfohlen oder sie melden sich über den Bodenprobenehmer Erwin Börlein dazu an.
Großer Vorteil bei der eigenen N-min Probe ist, dass auch gleich die geforderte Düngeplanung geliefert wird. Bei Phosphat ist zu beachten, dass bei Böden, die über 20mg Phosphat liegen, im Rahmen einer dreijährigen Fruchtfolge nicht über den Phosphatbedarf der Pflanzenentzüge gedüngt werden kann.

DSNonline - Düngeberatungssystem Stickstoff - LfL Externer Link

Von der schriftlichen Düngeplanung sind befreit:
Betriebe unter 15 ha und (zusätzlich unter 2 ha Hopfen, Gemüse und Erdbeeren und unter 750 kg Sickstoffanfall aus der Tierhaltung (entspricht ca. 7 Kühe oder 50 Mastschweine) und wenn kein Wirtschaftsdünger/Gärrest aufgenommen wird. Je nachdem wie die Qualität der Grund- und Oberflächengewässer ist, kann diese schriftliche Planung aber ab 2019 wieder notwendig werden.
Diese Betriebe müssen für 2018 auch keine jährliche Nährstoffbilanz erstellen.
In dieser Betriebsgröße wird vielleicht des öfteren Mais, GPS oder Grünlandaufwuchs an Biogasbetriebe abgegeben. Absolut kontraproduktiv wäre es, jetzt wegen dieser Erleichterungen keinen Gärrest zurückzunehmen. Wir haben im Landkreis kein generelles Gülle/Gärrestproblem, sondern es liegt an der Verteilung. Wo Nährstoffe vom Feld in den Stall oder die Biogasanlage abgefahren werden, da müssen diese über Gülle/Gärrest auch wieder zurückkommen. Für die Düngeplanung und die Nährstoffbilanz werden von der Bay. Landesanstalt wieder EDV-Programme wahrscheinlich zum Jahreswechsel bereitgestellt.

Grenzabstände zu Gewässer

Alle, die N und P-haltigen Mineraldünger/org. Dünger ausbringen, müssen wissen, wo Gewässer neben den Äckern und Wiesen liegen. Bei exakter Düngerplazierung (Arbeitsbreite gleich Ausbringbreite) muss mindestens ein Abstand von einem Meter, ansonsten ein Abstand von vier Metern zur Böschungsoberkante des Gewässers eingehalten werden. Steigt der Hang neben einem Gewässer auf den ersten 20 Meter über 2 Meter an, dann dürfen die ersten fünf Meter nicht gedüngt werden.

Bodennahe Gülleausbringung

Diese wird auf bestellten Ackerflächen ab 2020 Pflicht. Auf unbestellten Ackerflächen besteht dazu keine Pflicht. Jedoch müssen innerhalb von 4 Stunden die Gülle, Jauche/flüssiger und fester Gärrest eingearbeitet sein. Betriebe unter 15 ha LF sind von der Pflicht zur bodennahen Gülleausbringung befreit.

N-Obergrenzen

Ab 2018 dürfen mit org. Düngern incl. Gärresten max. 170 kg N/ha im Betriebsdurchschnitt ausgebracht werden. Beim N in Gärresten wird dabei nicht mehr zwischen tierischem und pflanzlichem Stickstoff unterschieden. N-haltiger Mineraldünger zählt zu dieser Obergrenze nicht dazu. Allerdings ist er in den jährlichen Nährstoffvergleich einzubeziehen.

Zusätzliche Anforderungen

Wahrscheinlich zu Beginn des Jahres 2020 werden die Gebiete festgelegt, die im Grundwasser oder den Oberflächengewässern beim Nitrat oder dem Phosphat über bestimmten Grenzwerten liegen. In diesen sogenannten "Roten Gebieten" besteht zusätzlicher Handlungsbedarf. Hier werden dann zusätzliche Auflagen gefordert werden. Die betroffenen Flächen in diesen Gebieten sollen 2019 im Mehrfachantrag gekennzeichnet werden.

Beachtung des Bodenzustandes

Auf überschwemmten, wassergesättigten, gefrorenen oder schneebedeckten Böden ist das Aufbringen von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln untersagt.

Davon abweichend dürfen jedoch im Frühjahr auf gefrorenem Boden bis zu 60 kg/ha Gesamt-N gedüngt werden, wenn

  • der Boden tagsüber aufnahmefähig wird und
  • keine Abschwemmungsgefahr in oberirdische Gewässer oder benachbarte Flächen besteht und
  • die Fläche mit Wintergetreide oder winterharten Zwischenfrüchten oder mehrjährigem Feldfutterbau oder Grünland bestellt ist.
Bei schneebedecktem Boden ist, unabhängig von der Schneehöhe, eine Düngung generell verboten. Sie befinden sich gerade auf unserer Homepage. Hier ist alles bisher feststehende zur DüV sehr gut dargestellt. Die einzelnen Vorgaben der DüV werden erläutert und häufig gestellte Frage zur DüV beantwortet.

Nährstoff und Pflanzenschutzmitteleinträge in Gewässer verhindern
Kulap-Gewässer und Erosionsschutzstreifen

Hangauflagen zu Gewässern beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beachten.
Beträgt der Anstieg einer Fläche neben einem Gewässer (dauernd oder periodisch wasserführend) auf den ersten 100 Meter über 2 Meter (2 Prozent), dann müssen im PS die sogenannten Hangauflagen beachtet werden. Das bedeutet, dass unter diesen Voraussetzungen viele Pflanzenschutzmittel nur dann angewendet werden können, wenn zwischen Gewässer und der mit dem Pflanzenschutzmittel behandelten Fläche ein Randstreifen mit einer geschlossenen Pflanzendecke vorhanden ist. Je nach PS-Mittel müssen diese Randstreifen eine Breite von 5 bis 20 Meter haben.
Da es an Hangflächen neben Gewässern auch zu Bodenerosion und Nährstoffeintrag kommen kann, sind neben einem erosionsmindernden Anbau auch hier Randstreifen eine gute Wahl.
Damit haben sie bei den Pflanzenschutzmitteln die Möglichkeit der Auswahl und sind nicht auf eventuell wenige beschränkt. Gleichzeitig sind sie bezüglich der Gefahr des Nährstoffaustrages in Gewässer auf der sicheren Seite. Die Wasserrahmenrichtlinie sieht bei allen unseren Oberflächengewässern Randstreifen als eine Möglichkeit an, damit die gesetzten Ziele erreicht werden können. Im Jahr 2019 wird hierzu wieder eine Bestandsaufnahme durchgeführt werden. Die Ergebnisse werden dann wieder in eventuell zukünftige Auflagen oder Reduzierung von Auflagen einfließen.
Infomieren Sie sich auch in unserer Förderabteilung am Amt über die Möglichkeiten im Kulap und planen Sie diese Randstreifen bei Bedarf schon im Herbst ein. Noch werden Sie über Kulap mit aktuell 920 Euro/ha entschädigt.
Im Mais z. B. könnte dieser Randstreifen zur Einhaltung der Hangauflagen auch wegfallen. Dazu muss der Mais im Direktsaatverfahren oder in Mulchsaat angebaut werden. Bei der Mulchsaat müssen aber mindestens 30 Prozent Mulch an der Oberfläche liegen. D. h., man braucht zuerst einen sehr guten Zwischenfruchtbestand mit ausreichend stängeligen Pflanzen. In diesen soll dann der Mais mit wenigen Saatbettbearbeitungsschritten eingesät werden.

Ansprechpartner

Ernst Hilmer
AELF Weißenburg i.Bay.
Bergerstraße 2 - 4
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Telefon: +49 9141 875-223
Fax: +49 9141/875-209
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