Informationen für Waldbesitzer
Regelmäßige Pflege von Forstwegen spart bares Geld

Weg in der Sonne

Funktionsgerechter Forstweg

Gute Gründe für die Wegeunterhaltung

Vorbeugen ist billiger und besser als Heilen: Wie für viele andere Bereiche, so gilt dieser Grundsatz ganz besonders für die Wegeinstandhaltung bei wassergebundener Befestigung. Versäumnisse im Unterhalt rächen sich hier bitter: Kurzfristige Einsparungen durch Verzicht auf kleine, aber stetige Pflegemaßnahmen ziehen langfristig große Investitionen zur Wegeinstandsetzung nach sich, die im Extremfall annähernd die Kosten des Neubaus erreichen. Gerade im kleinparzellierten Privatwald ist die Organisation des regelmäßigen Wegeunterhalts eine große Herausforderung.
Nur dauerhaft gepflegte Wege können den hohen Ansprüchen bestmöglich gerecht werden.
Die vielfältigen Anforderungen an Waldwege
  • Waldbesitzer möchten ihr Eigentum bequem und schnell erreichen,
  • Rettungskräfte müssen im Notfall zügig an den Einsatzort im Wald kommen,
  • Holzkäufer verlangen eine Befahrbarkeit mit schweren Holztransportern – möglichst ganzjährig und „just in time“ bei jedem Wetter,
  • Forstunternehmer benötigen für ihre großen, leistungsfähigen Maschinen, die in der Regel mit Tiefladern transportiert werden, entsprechende Zufahrtswege,
  • Erholungssuchende möchten und dürfen auch mit Kinderwägen oder Fahrrädern die Wege nutzen.

Schäden an Wegen

Selbst ohne menschliches Zutun nagt der Zahn der Zeit an den Forstwegen: Wasser, Frost, Wind und Bewuchs sind naturgegebene Schadfaktoren. Je nach Benutzung des Wegs treten zusätzlich Schäden und Verschleiß auf: Beispielsweise durch häufiges Befahren mit PKW (vor allem bei erhöhter Geschwindigkeit), Holzerntemaßnahmen im Bereich des Wegs und vor allem durch (ungeregelte) Holzabfuhr bei ungünstiger Witterung. 

Auswirkungen dieser Beanspruchungen
  • Verlagerung von Material, Auswaschungen, Entmischungen,
  • Verdrückungen ("Geleise"), überhöhte Bankette oder Mittelstreifen,
  • Ansammlung von Humus und "Zuwachsen",
  • Schlaglöcher, Verlust des Wasserablaufprofils, Erosionsrinnen,
  • verstopfte Durchlässe und verfüllte Gräben,
  • Verlust der Verschleiß-/Deckschicht, schließlich Zerstörung der Tragschicht.
Die Folgen dieser Beanspruchungen sind:
Die Tragfähigkeit schwindet, die Verkehrssicherheit leidet und es kommt zu erheblichen Einschränkungen bei der Benutzung bis hin zur Unbefahrbarkeit.

Mögliche Gegenmaßnahmen

Vorbeugen
Um Schäden zu vermeiden, sollten grundsätzlich alle Wegenutzer Rücksicht walten lassen.
Neben einer angepassten Fahrweise gehört dazu beispielsweise das Freihalten von Gräben und Durchlässen oder das Abziehen des Weges mit dem Polterschild nach dem Holzrücken.
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme heißt aber: Keine Holzabfuhr bei Frostaufgang oder großer Nässe!
Regelmäßiger Wegeunterhalt
Um ohne Materialzugabe einen guten Wegezustand möglichst lange zu erhalten beziehungsweise die Ausweitung beginnender Schäden zu verhindern, muss darüber hinaus aktiv eingegriffen werden.
Im Vordergrund steht hierbei, das Wasser vom Wegekörper fern zu halten oder für einen möglichst schnellen Abfluss zu sorgen.
Hierbei ist von Anfang an mit kleinen Schlepperanbaugeräten (Beispielsweise Heckplanierschild, "Wegehobel", R 2-Nachfolgegeräte wie R 2005) mehrmals im Jahr das teure Befestigungsmaterial der Deckschicht kontinuierlich "zurückzuholen" und der nutzungsbedingten Verlagerung entgegenzuwirken. Störender Humus oder beginnender Bewuchs sind zu entfernen, überhöhte Seiten- und Mittelstreifen abzuziehen und das Dachprofil mit ausreichender Querneigung wiederherzustellen. Die Durchlässe sollten regelmäßig kontrolliert und freigeräumt werden. Bei Bedarf sind auch die Seitengräben auszubaggern. Ebenso ist das Freischneiden des Lichtraumes zum schnellen Abtrocknen der Wegeoberfläche vorteilhaft.
Instandsetzung
Unterbleibt die regelmäßige Pflege und/oder sind die Wegeschäden bereits so weit voran geschritten, dass die Tragschicht (gröberes Material) angegriffen ist, reicht die leichte Wegepflege nicht mehr aus und es müssen schwerere Geräte (Grader) zum Einsatz kommen. Instandsetzung ist immer mit Materialzufuhr verbunden und soll den Wegekörper von Grund auf erneuern. Entsprechend teuer kann sich diese Maßnahme gestalten.

Vergleichskalkulation

Unterstellen wir bei einem Grader als Leistung 200 Laufmeter (lfm) in der Stunde, ergeben sich bei einem günstigen Mietsatz von 100 € je Stunde 0,50 € je lfm. Dazu kommen etwa 500 kg Frostschutzmaterial bzw. Sand-Splitt-Gemisch je lfm zu ca.12 € die Tonne, zusammen also 6,50 € je lfm. Unterbleibt der regelmäßige Unterhalt, könnte dies alle fünf Jahre notwendig sein. Damit ergeben sich Instandsetzungskosten pro Jahr und Laufmeter in Höhe von 1,30 €. 

Mehr zur Kalkulation

Ein landwirtschaftlicher Schlepper mit Heckplanierschild kann man mit 60 € je Stunde und einer möglichen Leistung von 1000 lfm in der Stunde kalkulieren. Bei angenommenen drei Durchgängen im Jahr fallen Kosten pro Jahr und Laufmeter von ca. 0,18 € an. 

Bei einer regelmäßigen Pflege mit dem Heckplanierschild können sich die Aufwendungen für die Instandsetzung deutlich verringern, da sich der Zeitraum für die Notwendigkeit von Gradereinsatz und Materialzugabe verlängert.
Durch aktive Wegepflege kann eine Verdopplung des Instandsetzungsintervalls von fünf auf zehn Jahre unterstellt werden.
Die Kosten für Instandsetzung betragen dann 0,65 € pro Jahr und Laufmeter und zusammen mit den Aufwendungen für Wegepflege von 0,18 € ergeben sich 0,83 €.
Durch die Wegepflege lassen sich somit 0,47 € pro Jahr und Laufmeter einsparen. 

Fazit:

Durch die Wegepflege lassen sich somit 0,47 € pro Jahr und Laufmeter einsparen.
Die Mietsätze, Leistungen und Kosten können innerhalb Bayerns in Abhängigkeit von den örtlichen Verhältnissen stark variieren. Die Grundaussage bleibt jedoch für alle gleich:
Eine regelmäßige Wegepflege mit dem Heckplanierschild spart bares Geld und erhält einen dauerhaft guten, verkehrssicheren Wegezustand! 

Wer ist für den Wegeunterhalt zuständig?

Grundsätzlich gilt: Wer die "Trägerschaft der Straßenbaulast" hat, ist für den Wegeunterhalt zuständig. 

Die öffentlichen Wege in Bayerns Wäldern werden durch das Bayerische Straßen- und Wegegesetz (BayStrWG) in verschiedene Kategorien eingeteilt: Es werden sogenannte "ausgebaute öffentliche Waldwege", "nicht ausgebaute öffentliche Waldwege" sowie "Eigentümerwege" unterschieden. Private Wege unterstehen nicht dem BayStrWG. Für "ausgebaute öffentliche Waldwege" sind die Gemeinden, für "nicht ausgebaute öffentliche Waldwege" und "Eigentümerwege" hingegen die beteiligten Grundeigentümer Straßenbaulastträger. 

Zu welcher Wegekategorie ein Weg gehört, kann bei der zuständigen Gemeinde erfragt werden. Ist ein Waldweg nicht in den Bestandsverzeichnissen der Gemeinde erfasst, handelt es sich um einen sogenannten Privatweg. Beim Privatweg gibt es weder eine Trägerschaft der Straßenbaulast noch eine Straßenaufsichtsbehörde. Bei Privatwegen hat der jeweilige Grundstückseigentümer über das Zivilrecht (Bürgerliches Gesetzbuch) die Verkehrssicherungspflicht für seinen Weg bzw. das Teilstück, das an sein Eigentum angrenzt. 

Kosten und Förderungsmöglichkeiten

Wer trägt die Kosten für den Wegeunterhalt?

Bei "ausgebauten öffentlichen Waldwegen" muss die Gemeinde für die Kosten des Wegeunterhalts aufkommen. Sie kann jedoch bis zu 75 % der Kosten auf die in der Widmungsverfügung eingetragenen beteiligten Grundstückseigentümer umlegen. Bei nicht ausgebauten öffentlichen Waldwegen, Eigentümerwegen und auch Privatwegen müssen die Beteiligten die Kosten voll tragen. 

Staatliche Förderung

Im Rahmen des Förderprogramms FORSTWEGR 2007 des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten können nur Instandsetzungsmaßnahmen gefördert werden, wenn die Schäden durch überregionlae Schadereignisse wie z. B. Starkregen entstanden sind. Darüber hinaus ist auch eine Förderung möglich, wenn vorhandene ältere Wege den heutigen Standards schwerlastbefahrbarer Wege hinsichtlich Ausbauart und Tonnagenbelastung nicht mehr entsprechen und diese Wege ausgebaut werden. Nähere Auskünfte über diese Fördermöglichkeiten gibt jedes Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

 

Wegeunterhalt gemeinsam organisieren

Wer organisiert den Wegeunterhalt?

Im kleinparzellierten Privatwald ist der einzelne Waldbesitzer, unabhängig von der jeweiligen Wegekategorie, im Regelfall alleine nicht in der Lage "seinen" Waldweg regelmäßig sinnvoll zu pflegen. Ziel sollte es sein, dass ein Weg der viele Grundstücke erschließt trotzdem regelmäßig unterhalten wird. 

Folgende Lösungsansätze sind über die grundsätzlichen Unterhaltsmaßnahmen der Gemeinden aus der Praxis bekannt:

  • Jagdgenossenschaften stellen Material und Gerät zur Wegepflege für ihre Mitglieder bereit. Gemeinden geben einen Zuschuss.
  • Jagdgenossenschaften berufen für ihr Gebiet einen Beauftragten zur Wegepflege, welcher für den Unterhalt der Wege verantwortlich ist.
  • Die beteiligten Waldbesitzer gründen einen sog. „Wegepflegeverein“ für ein bestimmtes Waldgebiet oder ein Waldwegenetz. Der Verein organisiert den Unterhalt, ein forsttechnisches Unternehmen führt die Maßnahme durch und über die Mitgliedsbeiträge werden die Kosten getragen.
  • Die forstlichen Zusammenschlüsse (Forstbetriebsgemeinschaften oder Waldbesitzervereinigungen) organisieren den Wegeunterhalt für ihre Mitglieder und/oder halten ein Heckplanierschild vor.
Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Wegepflege ist die Bereitschaft aller betroffenen Waldbesitzer, sich daran zu beteiligen und die Unterhaltungsmaßnahmen auf ihren Grundstücken zuzulassen.
Ohne ein Erschließungssystem wäre eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung der Wälder nicht machbar.
Im forstlichen Wegeneubaubau, der Instandsetzung und der Instandhaltung kommenten eine Vielzahl von Anbaugeräten zum Einsatz.
Autoren:
Herr Peter Tretter, Bayerische Forstschule Lohr am Main
Herr Jürgen Jobst, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten