Unser Wald
Was ist los mit der Kiefer?

Die mittelfränkische Brotbaumart hat die Hitze nicht vertragen.

Wenn man in diesen Tagen im Amtsgebiet des AELF Roth unterwegs ist, trifft man an vielen Orten auf Kiefern, die einen ungewohnten Anblick bieten.

Das Bild in der Landschaft: Rot und tot

Man sieht dürr gewordene Kieferngerippe ohne Nadeln, komplett rot oder rosa verfärbte Exemplare, Bäume mit schütteren, durchsichtigen Kronen.
Hinzu kommt auffallend viel Befall mit Misteln, deren grüne Büsche in den Kronen umso sichtbarer werden, je mehr Nadeln der Baum schon verloren hat.

Förster mit vielen Dienstjahren versichern, dass diese Symptome in einer solchen Häufigkeit bisher nicht vorkamen und eine neue Erscheinung sind.

Besonders stark sind die Schäden um Schwabach herum, aber auch in den westlich gelegenen Nachbarämtern Ansbach, Fürth und Uffenheim kann man ähnliche Bilder beobachten.
Auch wenn die Schäden nur einen Bruchteil der Kiefern betreffen und die Mehrheit der Bäume noch gesund sind, so gibt die bisherige Entwicklung doch Anlass zur Besorgnis. Mit 54 % ist die Kiefer im Amtsgebiet bei weitem die häufigste Baumart. Ihre Fläche beträgt hier etwa 40.000 Hektar, so dass schnell beachtliche Schadholzmengen zusammenkommen und einige Flächen zur Wiederaufforstung anstehen werden.

Wer ist schuld?

Das genaue Ausmaß der Schäden und das Muster ihrer Verteilung werden gerade in einer Untersuchung der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising erhoben. Schon jetzt bringt man das plötzliche Auftreten der Erkrankung mit der außergewöhnlichen Hitze und Trockenheit im Rekordsommer 2015 in Verbindung, die ersten Schäden traten im folgenden Winter auf.
Die Kiefer ist eigentlich eine Baumart des hohen Nordens, wo ein kühles Klima vorherrscht.
In Nordeuropa und –asien reicht ihre Verbreitung bis zur polaren Waldgrenze der Taiga. Hohe Sommertemperaturen bis 40 °C, wie sie 2015 in Teilen Mittelfrankens herrschten, ist die Kiefer nicht gewohnt, ebenso wenig warme Wintertage mit 10 °C und mehr.
Die Wärme schwächt die Kiefer, so dass parasitische Organismen wie Käfer, Pilze oder Misteln leichtes Spiel haben. Unter den Käfern muss man den Blauen Kiefernprachtkäfer nennen, der in Bast und Borke schwächelnder Kiefern frisst und die Wirtsbäume zum Absterben bringt. Auf der Suche nach den Käferlarven schlägt der Specht die Rinde herunter. An der fehlenden Rinde kann man den Befall schon von unten erkennen.
Grüne Pflanze mit runden Früchten

Mistel an Kiefer, Foto C. Kölling

Kiefern Waldrand

Kiefern am Waldrand Foto Engelhardt

Fleckiger Kiefernstamm

Befall durch blauen Kiefernprachtkäfer, Foto H. Lemme, LWF

Pilze und Schmarotzer
Eine besondere Taktik verfolgt der Pilz des Diplodia-Triebsterbens. Er lebt jahrelang symptomlos und auf Sparflamme im Inneren der Kiefernnadeln und wird dann aggressiv, wenn die Bäume aufgrund von Hitze und Niederschlagsarmut Wassermangel leiden. Diplodia verursacht eine teilweise Rotfärbung der Krone, die befallenen Bäume sehen dann rot-grün gescheckt aus. In schweren Fällen wird der gesamte Baum rot und stirbt ab.
Die klebrigen Mistelsamen gelangen über Vogelkot in die Kronen der Kiefer. Bei geschwächten Bäumen kann die junge Mistelwurzel leicht in das Wasserleitungssystem der Kiefer eindringen und es anzapfen. Die Mistel entzieht dann dem Baum das in Trockenjahren ohnehin knappe Wasser. Mit etwas Übung kann man die ausgewachsen Mistelbüsche auch von unten erkennen. In einigen Baumbeständen ist fast jeder Baum von diesem argen Schmarotzer befallen.
Bis auf das Diplodia-Triebsterben, das erst seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts bei uns auftritt, sind alle Schaderreger auch in Mittelfranken seit langem bekannt. Neu ist nur ihr massenhaftes und gelichzeitiges Auftreten, das in vielen Fällen zum Tode führt.
Der Zusammenhang zu den neuartigen extremen Witterungsbedingungen im Sommer 2015 ist augenfällig, zumal die wärmsten und trockensten Regionen Mittelfrankens auch die stärksten Symptome zeigen.

Überraschende Schwäche im Steckerlaswald

Für viele ist es eine Überraschung, dass die als robust und genügsam geltende Kiefer plötzlich ein Problem mit trockener und warmer Witterung bekommt. Aus anderen Regionen Europas werden jedoch auch unter trocken-warmen Bedingungen schon seit längerem Kiefernschäden mit ähnlichen Symptomen berichtet. Für das zentrale Mittelfranken haben Experten der LWF die nun eingetretenen Schäden schon vor einiger Zeit als Folge eines fortschreitenden Klimawandels vorhergesagt.
Ist das mittelfränkische Markenzeichen, der geliebte Steckerlaswald, in Gefahr?
Noch sieht es nicht so aus, als ob die Kiefer in der Region aussterben würde. In den vorhandenen Anteilen und im Reinbestand wird die mittelfränkische Kiefer bei weiter fortschreitendem Klimawandel aber nicht zu halten sein. Die Forstwirtschaft ist gefordert, Alternativen zu ergreifen und den Wald mit alternativen Baumarten klimafest zu machen.

Dem Problem begegnen: Waldbesitzer handeln

Von den abgestorbenen Kiefern geht nach jetzigem Kenntnisstand keine erhöhte Ansteckungsgefahr aus, sie müssen daher aus waldhygienischen Gründen nicht beschleunigt gefällt und entfernt werden. In geschädigten Beständen stellt sich jedoch die Frage, wie die entstandenen Lücken gefüllt werden sollen.
Nicht sinnvoll ist es, jede kleine Lücke auszupflanzen und sonst alles beim alten zu belassen.
„Nach dem Schaden ist vor dem Schaden“, deshalb ist es wichtig, den künftigen Schäden durch rechtzeitigen Waldumbau zuvor zu kommen.
Das lichtdurchlässige Kronendach der Kiefern lässt es zu, bereits unter dem leicht aufgelichteten Schirm neue alternative Baumarten anzupflanzen.
Wenn dann im weiteren Verlauf Schäden eintreten, ist die Reserve schon da und kann die Nachfolge der ausgefallenen Altbäume antreten.
Alternative Baumarten mit besserer Prognose im Klimawandel sind je nach Standort beispielsweise Buche, Traubeneiche oder Edelkastanie. Von den Nadelbaumarten vertragen Schwarzkiefer und Douglasie mehr Wärme als die anfällige Kiefer und können in der Mischung zu Laubbaumarten empfohlen werden.
Da die Baumartenwahl im Klimawandel eine schwierige, viele Fachkenntnisse erfordernde Aufgabe ist, ist die Beratung durch Fachleute unerlässlich.
Die Revierleiter des AELF Roth nehmen diese Aufgabe gern und kompetent war. Sie erstellen an die individuellen Umstände und finanziellen Möglichkeiten angepasste Konzepte des Waldumbaus und loten Fördermöglichkeiten aus. Die Eigentümerinteressen werden in vollem Umfang berücksichtigt. Forstbetriebsgemeinschaften und regionale Forstunternehmen unterstützen die Waldbesitzer in den praktischen Tätigkeiten, die der Waldumbau mit sich bringt. Unter den unten stehenden Adressen kann man einen Beratungstermin vereinbaren.

Der Wald wird bunt und das ist gut so

Das Ziel des Waldumbaus ist es, die monotonen, häufig allein aus der wärmeanfälligen Kiefer aufgebauten Bestände durch vielfältigere Mischbestände mit besserer Prognose im Klimawandel zu ersetzen. Die einfarbigen Kiefernmeere unseres Raums werden nach und nach vielfältigeren und bunteren Wäldern weichen. Das kaum zu vermeidende und absehbare Ende des Steckerlaswaldes kann der Beginn von neuen und angepassten Wäldern sein, die einer ungewissen und risikoreichen Klimazukunft besser gewachsen sind. Aufgabe des AELF ist es, diesen allmählichen Übergang beratend zu begleiten und die Waldbesitzer bei ihren Vorhaben mit Fachwissen und Fördermitteln zu unterstützen.